Dr. Ralf Kneuper
Beratung für Softwarequalitätsmanagement und Prozessverbesserung
CMMI und ITIL – Der IT-Lebenszyklus
Deutsche Übersetzung eines Beitrags im Conference Newsletter of the Tenth European Systems
and Software Engineering
Process Group (SEPG) Conference, 14th June 2005
Zwei Modelle haben in den letzten Jahren in der Welt des IT-Managements Bedeutung
gewonnen, die verschiedene Aspekte des IT-Lebenszyklus abdecken:
- ITIL, die IT Infrastructure Library, beschreibt das Management von IT-Infrastrukturen.
- CMMI andererseits beschreibt die Entwicklung und Wartung von Produkten und Dienstleistungen,
insbesondere von solchen Produkten und Dienstleistungen, die einen wesentlichen IT-Anteil
enthalten.
Trotz ihrer unterschiedlichen Struktur unterstützen diese beiden Modelle sich
gegenseitig, indem sie verschiedene Aspekte des IT-Lebenszyklus abdecken. Betrachten wir,
was passiert, wenn ein neues IT-System benötigt wird:
- Anforderungen werden gesammelt und gemanagt (CMMI, Anforderungsmanagement) und eine
fachliche und technische Analyse wird durchgeführt (CMMI, Anforderungsentwicklung),
die unter anderem Anforderungen an die Verfügbarkeit (ITIL, Verfügbarkeitsmanagement)
und die IT-Sicherheit (ITIL, Sicherheitsmanagement) beinhalten.
- Das neue IT-System wird entwickelt unter Nutzung der CMMI-Ingenieursdisziplinen,
wie Technische Umsetzung, Produktintegration, Validation und Verifikation. Validation
beispielsweise umfasst den Nachweis, dass das neue System für die Benutzung in seiner
Zielumgebung, also der gemäß den ITIL-Prozessen gemanagten Infrastruktur,
geeignet ist.
- Das entwickelte System wird nun vom CMMI Konfigurationsmanagement (wie in der Entwicklung
verwendet; kleine Konfigurationseinheiten wie einzelne Dateien, Module, etc.) an das ITIL
Konfigurationsmanagement (wie es in der Administration der Infrastruktur verwendet wird;
große Konfigurationseinheiten – das gesamte System besteht möglicherweise
aus einer sehr kleinen Anzahl von Konfigurationseinheiten) übergeben.
- Während der Wartung hält der Service-Desk (ITIL Incident Management, etc.)
den Kontakt mit den Anwendern, und leitet Fehlerberichte und Änderungsanforderungen
an die Entwicklungsorganisation weiter.
Wie diese kurze und unvollständige Zusammenfassung zeigt, ist eine große
Zahl von Schnittstellen zwischen den beiden Seiten notwendig, um die Anwender mit den
Systemen und Diensten zu versorgen, die sie benötigen. |