Dr. Ralf Kneuper
Beratung für Softwarequalitätsmanagement und Prozessverbesserung
CMMI-Themen: Practice Implementation Indicator Database (PIID)
In der Vorbereitung auf ein CMMI-Assessment nach der Standardmethode SCAMPI wird der Assessmentleiter Sie nach einer strukturierten Beschreibung Ihrer Umsetzung
der CMMI-Anforderungen fragen. Diese Beschreibung wird in der CMMI-Terminologie
als Practice Implementation Indicator Database (PIID) bezeichnet und dient folgenden Zwecken:
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Ihre Vorbereitung auf das Assessment wird unterstützt und das Risiko vermindert: Die Erstellung der PIID zwingt dazu, genau zu überlegen und zu beschreiben, inwiefern Sie die CMMI-Anforderungen erfüllen. Wenn diese Beschreibung im Rahmen des sogenannten "Readiness Reviews" als Teil der Assessmentvorbereitung durch Assessmentteam und Assessmentleiter überprüft und für ausreichend erachtet wird, dann sind viele Probleme schon vorab ausgeschlossen. Werden umgekehrt beim Readiness Review Probleme festgestellt, so gibt Ihnen das noch eine Chance, diese vor dem Assessment zu beheben.
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Die PIID beschleunigt die Arbeit des Assessmentteams, da viele Informationen, die im Assessment benötigt werden, darin schon vorab bereit gestellt werden. Das ermöglicht dem Team, sich auf die Bestätigung der Informationen in der PIID zu beschränken und nicht viel Zeit damit zu verbringen herauszufinden, wie die CMMI-Praktiken in dieser Organisation umgesetzt werden ("Verifikation statt Entdeckung").
Streng genommen wird die PIID bei einem Assessment erwartet, aber nicht unbedingt gefordert. Ist sie allerdings nicht vorhanden, dann wird das Assessment dementsprechend länger und teurer werden.
Nach dieser Vorrede stellt sich die Frage, was eine PIID genau ist. Zuerst einmal: Trotz ihres Namens ist die PIID nicht unbedingt eine echte Datenbank, sondern sie wird oft auch mit Werkzeugen wie einer Tabellenkalkulation oder einer Textverarbeitung erstellt. Das genaue Format der PIID spricht man am besten mit dem Assessmentleiter ab, damit dieser die Einträge im Assessment weiterverarbeiten kann und sie nicht manuell übertragen muss. Der Assessmentleiter hat auch vom SEI eine Vorlage bekommen, die allerdings nicht verwendet werden muss.
Die PIID enthält pro CMMI-Praktik (bezogen auf die Praktiken im Umfang des Assessments) folgende Information:
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Direkte Artifakte: Dies sind die durch die jeweilige Praktik erstellten Ergebnisse, wie z.B. die für jede Praktik beschriebenen "typischen Arbeitsergebnisse" ("typical work products").
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Indirekte Artifakte: Diese werden zwar im Rahmen der Praktik erstellt, sind aber nicht das eigentliche Ergebniss der Praktik, sondern Nebenergebnisse. Beispiele hierfür sind Protokolle von Besprechungen, in denen über das direkte Artifakte gesprochen wurde, sowie Freigabe- oder Abnahmeerklärungen, Test- und Prüfberichte und Reviewprotokolle für das direkte Artifakt.
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Bestätigungen als dritte und letzte Kategorie bestätigen, dass die jeweilige Praktik umgesetzt wird. Bestätigungen bekommt das Assessmentteam in erster Linie durch Interviews im Rahmen des Assessments selbst und nicht in der Vorbereitung in der PIID, d.h. vor dem Assessment ist diese Kategorie meist leer. Es gibt aber gelegentlich auch schriftliche Bestätigungen, die dann hier aufgenommen werden sollten, wie zum Beispiel von Projektmitarbeitern ausgefüllte Fragebogen zur Arbeitsweise im Projekt.
Damit eine Praktik als umgesetzt und das entsprechende Prozessgebiet als erfüllt bewertet werden kann, muss u. A. ein direktes Artifakt sowie ein indirektes Artifakt oder eine Bestätigung für diese Praktik vorliegen. Dementsprechend sollte die Rubrik der direkten Artifakte bis zum Readiness Review vollständig gefüllt sein, während in den anderen beiden ein Eintrag nicht immer sinnvoll möglich ist. Hier werden die fehlenden Informationen im Assessment selbst, in erster Linie durch Interviews, gesammelt.
In einem Assessment wird die betrachtete Organisation einerseits als Gesamtheit, andererseits am Beispiel von ca. drei bis vier konkreten Projekten als repräsentativen Vertretern betrachtet. Damit benötigt man auch die genannten Informationen für jede dieser Einheiten, d.h. in der Assessmentvorbereitung erstellt man typischerweise vier bis fünf Instanzen der PIID:
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Auf Ebene der Organisation beschreibt man die organisationsweiten Themen, also Prozessgebiete wie OPD, OPF, etc., die Umsetzung der generischen Praktiken, sowie, eng damit verbunden, die Einführung der CMMI-Praktiken in die Organisation und die Projekte ("Wie wurde Praktik X eingeführt/geschult/bekannt bzw. verbindlich gemacht?").
Auf dieser Ebene empfiehlt es sich, die Beschreibung schon sehr früh, d.h. im Rahmen der CMMI-Einführung, zu erstellen und über das
Assessment hinaus zu pflegen.
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Auf Ebene des einzelnen Projektes beschreibt man dagegen die konkrete Umsetzung in diesem Projekt.
In beiden Fällen gilt, dass die Beschreibung kurz und knapp sein, die jeweils relevanten Dokumente bzw. Artifakte aber konkret benennen sollte (Dateiname, Titel, evtl. Erläuterungen). Diese Dokumente werden dem Assessmentteam zusammen mit der PIID geliefert.
Betrachtet das Assessment den Reifegrad 3 Definiert, dann benötigt man auch eine Beschreibung der in der Organisation definierten Prozesse zur Umsetzung der einzelnen Prozessgebiete und Praktiken. In diesem Fall ist es meist empfehlenswert, dies nicht komplett bei der relevanten generischen Praktik GP 3.1 zu beschreiben, sondern eine zusätzliche Kategorie Richtlinien o.Ä. einzuführen, in der bei jeder Praktik diese definierten Prozesse, Richtlinien, Vorgaben, Vorlagen, Checklisten, etc. beschrieben werden, die für die Praktik auf Ebene der Organisation erstellt wurden. Wenn man diese Informationen dann auch den Projekten bei der Erstellung ihrer PIIDs zur Verfügung stellt, dann haben diese gleich eine Hilfe zum besseren Verständnis dessen, was in der Praktik von CMMI gefordert wird.
Pro Praktik sollten mindestens ein direktes, aber nur in Ausnahmefällen mehr als zwei direkte und zwei indirekte Artifakte benannt und geliefert werden. Dabei ist es völlig normal, wenn das gleiche Artifakt bei mehreren verschiedenen Praktiken benannt wird, evtl. sogar teilweise als direktes, teilweise als indirektes Artifakt.
Noch ein wichtiger Hinweis: Es gibt viele Praktiken, die mehrere Teilforderungen beinhalten. Achten Sie darauf, dass diese durch die PIID vollständig abgedeckt werden. Insbesondere fordern viele Praktiken die Erstellung und Pflege ("establish and maintain" – Vorsicht: Im Namen der Praktik ist jeweils nur von "establish" die Rede) eines Ergebnisses. In diesem Fall muss also auch die Pflege des Ergebnisses nachgewiesen werden, beispielsweise durch eine Änderungshistorie.
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