Links: Qualitätsmanagement, Qualitätssicherung und Vorgehensmodelle zur Softwareentwicklung

Diese Seite wird vom Autor ohne Garantie zur Verfügung gestellt. Jeder, der sich für dieses Thema interessiert, ist eingeladen, sie zu benutzen. Der Autor bittet darum dass alle festgestellten Fehler, Verbesserungsvorschläge, fehlerhaften Links etc. an ihn (ralf@kneuper.de) gemeldet werden.

Bitte beachten Sie auch meine Beratungsleistungen zu Softwarequalitätsmanagement und Prozessverbesserung, insbesondere zu CMM und CMMI.


Beim Thema Qualitätsmanagement haben sich in den letzten Jahren die Schwerpunkte der Arbeit deutlich verschoben, in der Software-Entwicklung genauso wie in vielen anderen Branchen. Statt dem Test der fertigen Software am Ende der Entwicklung stehen jetzt sogenannte konstruktive und prozessbezogene Ansätze im Vordergrund.

Konstruktive Ansätze setzen bei der Erstellung eines Produktes an und helfen, Fehler im Produkt von vornherein zu vermeiden, so dass diese nicht nachher mit viel Aufwand durch Tests gefunden und dann korrigiert werden müssen.Hier handelt es sich typischerweise um Ansätze wie Programmierrichtlinien oder Mustergliederungen für Ergebnisdokumente.

Prozessbezogene Ansätze gehen von der Hypothese aus, dass die Qualität eines Software-Produktes wesentlich durch die Qualität des Entwicklungsprozesses bestimmt wird und daher auch am effektivsten und effizientesten dadurch gesteigert wird, dass die Qualität dieses Prozesses gesteigert wird. Prozessbezogenes Qualitätsmanagement basiert meist auf Modellen wie der Normenreihe ISO 900x, dem V-Modell des Bundes, dem Capability Maturity Model Integration (CMMI) oder dem SPICE-Modell (ISO 15 504), sowie auf dem Konzept der kontinuierlichen Verbesserung des Entwicklungsprozesses (Software Process Improvement SPI).

Allgemeines Qualitätsmanagement

Unter www.quality.de sind viele Informationen zum Qualitätsmanagement in Deutschland zu finden, von Literaturlisten über Termine und ein Diskussionsforum bis hin zu Stellenanzeigen.

Ähnliche Informationen aus den USA gibt es unter www.quality.org.

Eine ganze Reihe von im Web vertretenen Organisationen befassen sich mit dem Thema Qualitätsmanagement allgemein, unabhängig von dem jeweiligen Produkt. In Deutschland ist das insbesondere die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ), auf der man allerdings vor allem administrative und kaum fachliche Informationen findet. Der Hanser-Verlag, der u.a. die an alle DGQ-Mitglieder versandte Zeitschrift "Qualität und Zuverlässigkeit" QZ herausgibt, stellt Informationen zum Thema Qualitätsmanagement bereit.

Amerikanisches Gegenstück dazu ist die American Society for Quality (ASQ, früher American Society for Quality Control ASQC).

Ein Modell für das ganzheitliche Qualitätsmanagement (Total Quality Management TQM) ist das Excellence-Modell der European Foundation for Quality Management EFQM. Deutsch: Deutsches EFQM Center.

Speziell mit Qualitätsmanagement für Software beschäftigt sich die Software Division der oben genannten ASQ. Dort findet man neben administrativen Informationen auch eine Reihe von Entwürfen von Standards (derzeit findet man z.B. einige SPICE/ISO 15504-Dokumente dort) sowie Informationen zur Qualifikation als "Certified Software Quality Engineer", zu der es hier in Deutschland nichts Vergleichbares gibt.

Bei der International Organization for Standardization ISO, die u.a. die Normenreihe ISO 9000 herausgibt, findet man eine Liste der aktuellen ISO-Standards sowie, ausführlichere Informationen speziell zur Normenreihe ISO 9000 sowie der verwandten Reihe ISO 14 000. Eine Zusammenfassung der Inhalte und Anforderungen der ISO 9001 gibt es dort aber leider nicht.

Bei der deutschen Normierungsorganisation DIN gibt es u.a. Informationen zu den herausgegebenen Normen sowie Bestellhinweise (allerdings nicht die Normen selbst).

Die vom British Standards Institute BSI geführte Initiative TickIT hat eine Interpretation oder Anpassung der ISO 9001-Norm für die Informations- und Kommunikationstechnologie entwickelt. Eine TickIT-Zertifizierung als Variante der ISO 9001-Zertifizierung ist in Großbritannien recht verbreitet.

Prozessverbesserung bei der Software-Entwicklung

Ausführliche Informationen zur Prozessverbesserung bei der Software-Entwicklung findet man beim Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie-Mellon University, das vor allem für sein Capability Maturity Model (CMM) bzw. dessen Nachfolger Capability Maturity Model Integration (CMMI) bekannt ist und viele seiner technischen Berichte im Web zugänglich macht. Weitere Informationen zu CMMI sowie eine Liste der wichtigsten Literatur zum Thema findet man auch auf diesen Seiten.

Seit 1998 stellt das SEI auch ein Software Engineering Information Repository (SEIR) bereit, in dem zusätzliche Informationen zum CMM(I), seinen einzelnen Schlüsselbereichen und Industrieerfahrungen damit zur Verfügung gestellt werden. Hier ist eine Registrierung notwendig; das Ziel dieses Repositories ist es, dass die Nutzer des CMM(I) sich gegenseitig unterstützen und Informationen, Prozessbeschreibungen etc. zu Verfügung stellen.

Europäisches Gegenstück zum SEI, wenn auch bisher wesentlich weniger bekannt und erfolgreich, ist das European Software Institute (ESI) in Bilbao. Das ESI bietet eine Reihe von Schulungen an, darunter auch CMM-Schulungen in Lizenz des SEI, außerdem Beratung im Bereich der Software-Prozessverbesserung. Auch eine Reihe von Veröffentlichungen und technischen Berichten ist auf dem ESI-Server zu finden, allerdings wesentlich weniger als beim SEI. Auch hier ist für den Zugriff auf einen Teil der Dokumente eine Registrierung notwendig.

Das Software Technology Support Center (STSC) bietet neben einer Reihe von allgemeineren Informationen zum Software Engineering auch eine ganze Reihe von Informationen über Software-Prozessverbesserung, Metriken, und ähnliche Themen. U.a. gibt das STSC die kostenlose Zeitschrift "Crosstalk" heraus, die sich regelmäßig mit diesen Themen befasst. Von Deutschland aus ist es zwar nicht möglich, die Zeitschrift selbst zu bestellen, aber eine on-line Version existiert.

Unter sepo.spawar.navy.mil findet man ebenfalls diverse Informationen zur Prozessverbesserung bei der Software-Entwicklung, insbesondere kann man von dort auch Prozessbeschreibungen zu den einzelnen KPAs (Schlüsselbereichen) des CMM herunterladen.

Viele Informationen zur Software-Prozessverbesserung, wie z.B. Literaturlisten, Tagungen, aktuelle Projekte, findet man auch bei der European Software Process Improvement (ESPI) Foundation. Insbesondere organisiert ESPI auch die jährliche Euro SEPG (European Software Engineering Process Group Conference) und bietet einige SEI-Schulungen, insbesondere zum CMM, in Lizenz in Europa an.
Leider ist eine Anmeldung erforderlich, um auf diese Web-Seiten zugreifen zu können.

Ähnliches gilt für ESSI-Scope, wo man u.a. viele Informationen über relevante Standards zu Produkt- und Prozess-Qualität findet, einschließlich Informationen und Erfahrungen mit Evaluationen nach diesen Standards (im Abschnitt "Evaluation Approaches") sowie Informationen zu den verschiedenen Ansätzen zur Prozessverbesserung (CMM, TickIT, etc.).

Ebenfalls mit der Prozessverbesserung bei der Software-Entwicklung beschäftigt sich das Fraunhofer Institute for Experimental Software Engineering in Kaiserslautern unter Leitung von Prof. Rombach.Diese Gruppe arbeitet eng zusammen mit der Experimental Software Engineering Group (ESEG) an der University of Maryland unter Leitung von Prof. Basili. Schwerpunkte der Arbeit dieser beiden Gruppen sind das Quality Improvement Paradigm (QIP), die Experience Factory sowie das Goal/Question/Metric-Paradigma (GQM).

Reifegradmodelle

Reifegradmodelle sind Modelle zur Bewertung der Reife einer Software entwickelnden Organisation. www.software.org/quagmire/ enthält eine gute Übersicht der im folgenden beschriebenen Reifegradmodelle und ihrer Beziehung sowohl untereinander als auch zu anderen Standards und Modellen.

Capability Maturity Model Integration (CMMI)

Das bekannteste und in der Vergangenheit am weitesten verbreitete Reifegradmodell ist das bereits erwähnte Capability Maturity Model Integration (CMMI). Das Modell ist öffentlich verfügbar. Hier findet man auch viele Zusatzinformationen, wie z.B. eine Liste der Appraiser, statistische Auswertungen über durchgeführte Assessments sowie viele technische Berichte über Einzelthemen der Prozessverbesserung. Siehe auch mein Buch zu diesem Thema.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es eine Reihe von autorisierten Appraisalleitern für CMMI, die im Rahmen des von mir koordinierten German CMM(I) Lead Appraiser and Instructor Board (CLIB) zusammenarbeiten.

Bootstrap

Geplant als europäisches Gegenstück zu CMM, ist Bootstrap inzwischen weitgehend von ISO 15 504 (siehe unten) abgelöst und das Bootstrap Institute wurde in 2003 aufgelöst.

SPICE (ISO 15 504)

Unter dem Projektnamen SPICE (Software Process Improvement Capability dEtermination) wurde ein ISO-Standard erarbeitet, der einen Rahmen für Assessments vorgibt. Nach vielen und langen Diskussionen zum Umfang des ISO-Standards sind 2004 die Teile veröffentlicht, die eine vereinheitlichte Vorgehensweise bei Assessments nach Reifegradmodellen beschreiben (in erster Linie ISO 15 504, Teil 2), während das zugehörige Prozess-Assessmentmodell Anfang 2006 als informativer Teil 5 der Norm veröffentlicht wurde.

Weitere Informationen zu SPICE findet man u.a. unter www.isospice.com. Das SEI ist ebenfalls an der Entwicklungs dieses Standards beteiligt und stellt entsprechende Informationen, insbesondere auch zur Beziehung SPICE - CMM, bereit. Diese sind allerdings inzwischen weitgehend veraltet, da sie sich auf CMM (nicht CMMI) und die vorige TR-Version der ISO 15 504 beziehen.

Neben dem allgemeinen, Branchen-unabhängigen Standard SPICE wird derzeit auch an einigen Branchen-spezifischen Varianten gearbeitet, z.B. in der Automobilindustrie zuerst im Rahmen der Herstellerinitiative Software (HIS) der deutschen Automobilhersteller, und jetzt auf europäischer Ebene als Automotive SPICE.

Die Qualifikation von Assessmentleitern nach ISO 15504 wird im International Assessor Certification Scheme (iNTACS) definiert und zertifiziert. Leider hat sich iNTACS nach ursprünglich gemeinsamer Arbeit in 2005 aufgeteilt in ein deutsches und ein englisches iNTACS aufgespaltet, die zwar beide auf dem gleichen Regelwerk aufsetzen, aber beide von sich behaupten, alleine die Rechte an iNTACS zu besitzen. Am 11.05.2006 wurde das deutsche iNTACS als eingetragener Verein nach deutschem Recht neu gegründet; es bleibt abzuwarten, ob die Beteiligten in der Lage sein werden, beide iNTACS-Gruppen wieder zusammenzuführen.

Vorgehensmodelle

Im Rahmen des Projektes WEIT wurde das V-Modell 97 des Bundes weiterentwickelt. Das neue, komplett überarbeitete V-Modell XT wurde im Februar 2005 freigegeben.

Die Anwendergruppe ANSSTAND des V-Modells bietet diverse Informationen über das das V-Modell sowie die Arbeit dieser Gruppe.

In der Schweiz gibt es mit HERMES ein vergleichbares Modell.

Ein konkretes Vorgehensmodell einer Organisation ist das SIZ Anwendungsentwicklungsmodell (AE-Modell) des Informatikzentrums der Sparkassenorganisation.

Außerdem gibt es bei der Gesellschaft für Informatik zwei Fachgruppen, die sich mit Vorgehensmodellen für die Software-Entwicklung beschäftigen, nämlich die Fachgruppe "Entwicklungsmethoden für Informationssysteme und deren Anwendung (EMISA)" sowie die FG WI-VM "Vorgehensmodelle für die betriebliche Anwendungsentwicklung".

Viele Zusatzinformationen zu Vorgehensmodellen im allgemeinen und dem V-Modell im besonderen, so z.B. Hinweise auf Veröffentlichungen, sind unter www.informatik.uni-bremen.de/gdpa zusammengetragen. Dazu gehören u.a. Informationen über Personen und Institutionen, die in diesem Themenkreis arbeiten. Hier sind auch die Beiträge der letzten Jahre zur unten genannten Mailingliste zum V-Modell verfügbar.

In den letzten Jahren sind neue, derzeit viel diskutierte Ansätze für Vorgehensmodelle entwickelt worden, die meist unter dem Begriff "agile Entwicklung" zusammengefasst werden. Dazu gehören u.a.

Test, Analyse, Verifikation

Bei der Gesellschaft für Informatik gibt es eine Fachgruppe, die sich mit diesem Thema beschäftigt, nämlich die FG "Test, Analyse und Verifikation von Software" (TAV).

Unabhängige Verifikation und Validation unter den extrem hohen Anforderungen der Raumfahrt wird z.B. von der IV&V Facility der NASA durchgeführt.

Verschiedene Musterdokumente, z.B. ein Mustertestplan und eine Checkliste für den GUI-Test, sind unter zu finden.

Software Research, Inc. (SR/Institute), bietet neben Informationen über seine eigene Familie von Testwerkzeugen, TestWorks, auch eine Reihe von Hintergrundinformationen über Test, z.B. Tagungen, Schulungen, etc. Insbesondere kann man dort auch den "Testing Techniques Newsletter" abonnieren, der einmal monatlich aktuelle Informationen zum Thema Test liefert.

Ein deutschsprachiges Forum zum Thema Software Testing, Qualitätssicherung usw.

Beratungsunternehmen

Beratungsunternehmen auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements für Software haben teilweise auch (mehr oder weniger ausführliche) inhaltliche Informationen im WWW verfügbar gemacht, so z.B. das International Software Consulting Network ISCN, das eine Reihe von Informationen über seine Projekte sowie Veröffentlichungen bereitstellt.

Tenberry Software ist ein Software- und Beratungshaus, das u.a. damit wirbt, dass ihre Produkte nahezu fehlerfrei sind und doch auftretende Fehler in den verkauften Produkten auf Dauer kostenlos behoben werden. Tenberry Software betreut auch eine Mailing-Liste zum Thema Software-Qualität.

www.grove.co.uk enthält vor allem Informationen zum Thema Test, u.a. eine Liste von Veranstaltungen und Konferenzen sowie eine kommentierte Bibliographie.

www.reviewtechnik.de enthält eine umfangreiche Sammlung von Informationen zum Thema Software-Reviews.

Andere Beratungsunternehmen mit Informationen zum Thema sind z.B.

Arbeitskreise

Es gibt eine Reihe von lokalen Arbeitskreisen zu Themen im Umfeld des Software-Qualitätsmanagements, z.B.

Diese lokalen Arbeitskreise stellen in unterschiedlichem Umfang Informationen im WWW zur Verfügung, der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt jedoch meist in den persönlichen Treffen der Mitglieder.

Hochschulen und Weiterbildung

Die wichtigsten Lehrstühle zu diesen Themenfeldern in Deutschland, die auf ihren Web-Servern auch jeweils viele aktuelle Informationen sowie eine Reihe von Veröffentlichungen bereitstellen, sind Prof. Mellis in Köln und Prof. Rombach in Kaiserslautern, der gleichzeitig auch das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) leitet.

Andere Lehrstühle, die im Bereich des Qualitätsmanagements und der Vorgehensmodelle arbeiten, sind u.a.:

Mailing-Listen

Im Umfeld des Qualitätsmanagements gibt es natürlich auch eine Vielzahl von Mailing-Listen. Einige der wichtigsten sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:

Tab.: Mailing-Listen zum Qualitätsmanagement
Thema Sprache Zugang
ISO 9000-3 englisch Nachricht "subscribe iso9000-3" an Majordomo@quality.org
Softwaremanagement
Zusammenfassung der früher getrennten Listen Softwarequalität und Softwaretest.
deutsch Nachricht "subscribe softwaremanagement" an Majordomo@rrz.uni-koeln.de
QFD (Quality Function Deployment) deutsch Nachricht "subscribe qfd-discussion" an Majordomo@rrz.uni-koeln.de
TAV (Test, Analyse und Verifikation von Software) deutsch Nachricht "subscribe tav-news" an Majordomo@rrz.uni-koeln.de
V-Modell
Ältere Beiträge
deutsch Nachricht mit Subject "subscribe vm-d-l" an den Moderator Ekkehard Uthke (uthke@iabg.de)

Links zu weiteren Informationen

Ausführliche Listen mit weiteren Verweisen findet man z.B. unter:

Zeitschriften

Beim Springer Verlag (ehemals Kluwer) wird das Software Quality Journal herausgegeben, das sich mit allen Aspekten der Software-Qualität befasst. Man findet dort einige der veröffentlichten Beiträge, von den anderen sind jeweils bibliographische Informationen verfügbar.

Ähnlich ist die Zeitschrift Software Quality Professional von der bereits genannten American Society for Quality ASQ. Diese konzentriert sich besonders auf die Themen, die zur Qualifikation als "Certified Software Quality Engineer" (siehe oben) benötigt werden.

Software Testing & Quality Engineering befasst sich speziell mit den praktischen Aspekten von Test und Qualitätssicherung befasst.

Methods&Tools ist ein kostenloser Newsletter, der viele Beiträge zum Software-Qualitätsmanagement und zu Entwicklungsprozessen enthält.

Software in Focus berichtet alle zwei Monate über Aktivitäten zur Software-Prozessverbesserung in Europa.