Dr. Ralf Kneuper
Beratung für Softwarequalitätsmanagement und Prozessverbesserung
V-Modell XT
Das V-Modell XT ist ein Vorgehensmodell für die Planung und
Durchführung von Entwicklungsprojekten für die Entwicklung von
Software und Systemen. Ausgehend von den Vorgängermodellen V-Modell 92
und V-Modell 97 wurde es im Auftrag des Bundes und in Zusammenarbeit von
Industriepartnern und Hochschulen entwickelt und 2004 veröffentlicht.
Derzeit (Stand September 2011) ist Version 1.3 aktuell.
Genutzt wird das V-Modell XT in erster Linie bei großen Projekten mit
öffentlichen Auftraggebern, ist aber dank der im Modell enthaltenen
Vorlagen und seiner hohen Anpassbarkeit auch bei anderen Projekten
hilfreich und wird dort angewendet.
Wie die meisten anderen Vorgehensmodelle beschreibt das V-Modell XT
das Vorgehen mit Hilfe von Aktivitäten, Ergebnissen (hier als
"Produkte" bezeichnet) und Rollen, wobei das V-Modell XT einen klaren
Schwerpunkt auf die Produkte legt.
Als weiteres Modellierungselement kommen dazu die Entscheidungspunkte,
also wichtige Meilensteine, bei denen der bisherige Fortschritt
überprüft und über die Projektfortführung entschieden wird.
Entscheidungspunkte gliedern den Projektverlauf in Projektabschnitte, und
unterschiedliche Vorgehensweisen werden durch eine unterschiedliche
Reihenfolge dieser Entscheidungspunkte beschrieben, im V-Modell XT bezeichnet
als Projektdurchführungsstrategie. Standardmäßig enthält
das V-Modell XT Projektdurchführungsstrategien für inkrementelle,
komponentenbasierte und prototypische Entwicklung und erlaubt damit recht
unterschiedliche Vorgehensweisen im Projekt.
V-Modell XT unterstützt nicht nur den Auftragnehmer bei der
Projektdurchführung, sondern auch den Auftraggeber. Dazu sind
verschiedene Projekttypen definiert, nämlich neben dem üblichen
Systementwicklungsprojekt aus Sicht des Auftragnehmers auch das
Systementwicklungsprojekt aus Sicht des Auftraggebers und aus der Sicht
einer Organisation, die sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer ist.
Als vierter Projekttyp, eher ungewöhnlich in einem Vorgehensmodell,
wird die Einführung und Pflege eines organisationsspezifischen
Vorgehensmodells behandelt.
Eine Besonderheit des V-Modells XT ist seine starke Betonung der Anpassbarkeit
(daher auch "XT" für "eXtreme Tailoring"),
die unter anderem durch eine Modularisierung des Modells erreicht wird und
auch durch Open-Source-Werkzeuge unterstützt wird. Dabei geht man
üblicherweise von einer zweistufigen Anpassung aus. Im ersten Schritt
erstellt man eine organisationsspezifische Anpassung des V-Modells XT,
die Besonderheiten der Organisation wie z.B. die konkrete Zuordnungen von
Rollen und Organisationseinheiten, andere Bezeichnungen von Arbeitsergebnissen
oder auch Formatvorgaben und eigene Logos berücksichtigt.
Dieser Schritt wird vom "V-Modell XT Editor" unterstützt,
der auf Basis eines vorgegebenen Metamodells sehr weitgehende Anpassungen
erlaubt.
Im zweiten Schritt unterstützt der "Projektassistent" den
Projektleiter bei der Auswahl der für sein Projekt relevanten Komponenten
des Modells, ausgehend von der organisationsspezifischen Anpassung (oder auch
dem nicht angepassten Originalmodell).
Vor allem dann, wenn der Auftraggeber die Nutzung von V-Modell XT
fordert, wird damit die Frage der Konformität
zum V-Modell XT relevant, also wieviel Anpassung erlaubt ist und wann man nicht
mehr von einer Nutzung des V-Modells sprechen kann.
Daher gibt es Kriterien für ein Zertifikat zur V-Modell XT-Konformität,
die allerdings Stand Februar 2010 noch unvollständig sind.
Geplant ist darüber hinaus ein Zertifikat "Pur", das die
V-Modell XT-konforme Projektdurchführung bescheinigt.
Neben diesen Organisationszertifikaten gibt es auch
Personenzertifikate, nämlich das Zertifikat "Pro" für
Projektleiter und QS-Verantwortliche, also die Nutzer des Modells, das
Zertifikat "Ping" für Prozessingenieure, die unter anderem
die Konformität bewerten, und das geplante Zertifikat "Asor"
für Assessoren, die die V-Modell XT-konforme Projektdurchführung
bewerten. |